Pliozän (5,333 - 2,588 mya v.h.)

Pliozän Fauna
Nordamerika: Typische Fauna im Pliozän (gemeinfrei)

 

Klima

Im Pliozän war das Klima relativ stabil und warm. Der Anteil an Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre wurde durch Untersuchung organischen Materials aus Meeressedimenten und versteinerten Blättern ermittelt und betrug Mitte des Pliozän etwa 360 bis 400 ppm; eine Konzentration von 400 ppm wurde erst wieder im Jahr 2014  erreicht.

Die Jahresdurchschnittstemperaturen lagen zunächst etwa zwei Millionen Jahre lang rund 2–3 °C über den Temperaturen vorindustrieller Zeit. Verschiedene Forschungsergebnisse 

dokumentieren einen 15–25 Meter erhöhten Meeresspiegel im Vergleich zu heute.

Gegen Ende kündigte eine allmähliche Abkühlung ein bevorstehendes Eiszeitalter an: Mit der Vereisung der Arktis begann das Quartär, das bis heute andauert.

 

Fauna

Pliozän
Hipparion

Die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika begann sich zu bilden, was stärkere Auswirkungen auf die Ausbreitung vieler Tiergattungen, z. B. der Rüsseltiere von Afrika über Asien nach Nord- und Südamerika hatte. In der südamerikanischen Tierwelt, die sich in der Isolation des Kontinents bis dahin eigenständig entwickelt hatte, verdrängten die eingewanderten Säbelzahnkatzen die Terrorvögel von der Spitze der Nahrungspyramide.

Pliozän
Nashorn

Die Rüsseltiere waren im Pliozän Afrikas reichhaltig durch Elefanten (Elephas, Loxodonta, Mammuthus), Gomphotherien (Anancus) und Dinotherien (Deinotherium) repräsentiert. Seit dem mittleren Pliozän kamen die beiden heute noch lebenden Nashornarten (Breitmaulnashorn und Spitzmaulnashorn) vor.

 

Die Pferde waren durch Hipparionen vertreten, bis am Beginn des Pleistozäns die Gattung Equus erschien. Verschiedene Schweine (Notochoerus, Kolpochoerus, Metridichoerus) und zahlreiche Hornträger sind bekannt. Die heutige Impala war ebenso wie die Gattungen Gazella und Tragelaphus bereits vertreten. Giraffen waren durch langhalsige Formen (Giraffa jumae) ebenso wie durch die ausgestorbenen Rindergiraffen (Sivatherium) vertreten.

Fauna Pliozän
Säbelzahnkatze in Nordamerika

Flusspferde sind vor allem durch die Gattung Hexaprotodon repräsentiert. Kamele sind im Fossilbericht Afrikas generell selten, erreichten aber im Pliozän südwärts immerhin Malawi. Die großen Raubtiere waren durch verschiedene Hyänen, Hunde und Katzen vertreten. Zu den großen Katzen zählte Dinofelis, Megantereon, Homotherium und seit dem späteren Pliozän auch die Gattungen Panthera und Acinonyx. Löwengroße Panthera-Formen sind etwa aus Laetoli in Tansania bekannt. Im Pliozän waren auch Bären mit Agriotherium bis in den Süden Afrikas verbreitet. Darüber hinaus lebten im Pliozän in Afrika die Australopithecinen als Vorfahren des Menschen.

Am Ende des Pliozän kam es zu einem erst Mitte 2017 entdeckten Massenaussterben. Betroffen war die marine Megafauna. Etwa ein Drittel der Gattungen großer Meerestiere verschwand. Betroffen waren Wale, die Seekühe des Mittelmeeres, Haie, Meeresvögel und Meeresschildkröten, darunter der große Hai Carcharocles megalodon. Ursache des Massenaussterbens war die globale Abkühlung durch das beginnende Eiszeitalter. Diese ließ den Meeresspiegel sinken, so dass die flachen Küstenmeere der Kontinentalschelfgebiete, Lebensraum der betroffenen Arten, stark schrumpften.

 

Flora

Bedingt durch das kühler werdende Klima zogen sich in Europa die Steppen nach Süden zurück. In Mitteleuropa gedeihten Wälder, in denen sich bereits zahlreiche der auch heute hier vertretenen Baumarten befanden. Daneben kamen vor allem subtropische Gewächse vor.

Generell verschoben sich auf der Nordhalbkugel die Florenprovinzen. Die bisher polare Turgai-Flora drangt bis in die heutigen gemäßigten Breiten nach Süden vor. Die bisherige mittel- und z.T. nordeuropäische Poltawa-Flora, die auch in Nordamerika und Asien verbreitet war, verschwand in Zentraleuropa völlig und wurde in den anderen Räumen zonal begrenzt.

Die grundsätzliche Entwicklung der Pflanzen war – gemessen am heutigen Stand der Evolution – im Großen und Ganzen abgeschlossen. Weitere Entwicklungen betrafen in erster Linie geographische Veränderungen. Neue Familien der Bedecktsamer, die in dieser Zeit erschienen (z.B. die Primelgewächse, Kreuzblütler, Lippenblütler Nelkengewächse, Orchideen), brachten keine grundsätzlich neuen Baupläne mehr mit sich.