Oligozän (33,9 - 23,03 mya v.h.)

Oligozän
Deutschland im Oligozän Quelle: Gretarsson (CC BY-SA 4.0)

 

Das Oligozän ist eine erdgeschichtliche Epoche innerhalb der Periode des Paläogens, früher des Tertiärs. Der Beginn des Oligozäns liegt 33,9 mya (Millionen Jahre) zurück, das Ende wurde auf vor 23,03 mya festgelegt.

In dieser Zeit begann unter anderem die Auffaltung der Alpen und der Rocky Mountains. Südamerika wurde von den anderen Kontinenten getrennt und begann eine eigene Fauna zu entwickeln. In den übrigen Erdteilen entwickelten sich die modernen Säugetier-Ordnungen.

In Deutschland reichte im Oligozän vor etwa 30 Millionen Jahren die Nordsee bis zum Niederrhein und in den Raum von Kassel (Hessen). Ostdeutschland war bis zum Harz und Leipzig (Sachsen) vom Meer überflutet. Zwischen der Nordsee und dem Meer im heutigen Alpenraum, einem Rest des Tethysmeeres, erstreckte sich eine etwa 300 Kilometer lange und maximal 40 Kilometer breite Meeresstraße. Sie verlief über Kassel über die Wetterau-Senke und den Oberrheingraben bis Basel (Schweiz). Am Nordende des Oberrheingrabens lag zwischen Odenwald, Spessart, Taunus, Hunsrück und Pfälzer Bergland ein Binnenmeer, das fast zehnmal so groß war wie der heutige Bodensee. In dieser Meeresstraße lebten Haie, Rochen und Seekühe. Bedeutendste Fundstätte von Fossilien aus dem Oligozän in Deutschland ist der Doberg in Bünde.

 

Klima und Flora

Im weiteren Verlauf des Oligozäns kühlte sich das Klima noch stärker ab und so kam es vor etwa 30 Millionen Jahren zu ausgedehnten Vereisungen in der Antarktis. Der Meeresspiegel sank dadurch um bis zu 150 m ab. Die Ursache dafür scheint die vollständige Trennung Südamerikas von der Antarktis gewesen zu sein, was einen starken Zirkumpolarstrom ermöglichte. Auch öffnete sich der Seeweg zwischen Norwegen und Grönland, was einen ähnlichen Effekt auf der Nordhalbkugel gehabt haben dürfte. Die folgenreichste Auswirkung des kühleren und trockeneren Klimas war neben der Entstehung weiterer Landflächen an den Schelfrändern die Ausbreitung von Trockengebieten. So entstanden im Oligozän ausgedehnte Wüstengebiete.

 

Die Flora glich weitgehend der heutigen Flora. Die Blütenpflanzen hatten sich weiterentwickelt, nur die Gräser entstanden neu.

Im Oligozän wichen die tropischen Wälder in die niederen Breiten zurück und machten grasbewachsenen Ebenen mit einzelnen Bäumen und Sträuchern Platz (Savanne).

 

 

Fauna

Im Oligozän entstanden viele moderne Säugerordnungen unter anderem auch die der Menschenaffen. Durch die neue Landverbindung zwischen Asien und Europa wurden viele heimische Arten durch asiatische ersetzt.

Unter den Neuankömmlingen aus Asien fallen besonders die ersten Nashörner Europas auf. Diese waren im Oligozän Europas durch die hornlosen Hyracodonten und Amynodonten sowie durch die gehörnten Nashörner der Diceratheriinae und die Menoceratherien vertreten. Unter den Hyracodonten wanderte das schafsgroße Eggysodon am Beginn des Oligozäns nach Europa ein.


Die Amynodonten waren vom Beginn bis zum Ende der Epoche mit Cadurcotherium in Europa verbreitet. Weitere Nashörner des europäischen Oligozäns waren Ronzotherium und Epiaceratherium. Diese Tiere begründeten den später erfolgreichen Stamm der Aceratheriinae. Die westlichen Teile Europas wurden im Verlauf des Oligozäns darüber hinaus auch von Paraceratherium, dem größten landlebenden Säugetier aller Zeiten erreicht, das vor allem in Asien verbreitet war.

Neben den Nashörnern und seinen näheren Verwandten wanderte am Beginn des Oligozäns mit den Chalicotherien eine weitere äußerst erfolgreiche Gruppe von Unpaarhufern aus Asien ein. Die erste Gattung, die Europa erreichte, war Schizotherium.

 

Die Paarhufer waren vom großen Faunenaustausch am Beginn des Oligozäns weniger betroffen. Zahlreiche europäische Familien und Gattungen überlebten den Übergang ins Oligozän. So überlebten etwa die Dichobuniden mit Dichobune, Tapirulus und Diplobune. Auch die Cainotheriidae überlebten mit der hasengroßen Form Plesiomeryx und dem größeren Caenomeryx. Allerdings starben auch unter den Paarhufern einige Linien, wie die Dacrytheriden, Xiphodontiden und Anoplotheriden aus.

Im Oligozän erreichten auch erstmals die riesigen schweineähnlichen Entelodonten mit Entelodon Europa. Allein der Schädel dieser Tiere war bis zu 1 m lang. Außerdem erschienen die ersten näheren Verwandten der Schweine mit den Gattungen Palaeochoerus und Doliochoerus.


 

Auch die Räuber unter den Säugetieren waren am Beginn des europäischen Oligozäns einem drastischen Wandel unterzogen. Relativ wenig betroffen waren lediglich die archaischen Creodonten. Einige Formen, wie etwa Pterodon starben aus, doch wurden etwa die Vertreter der Gattung Hyaenodon durch asiatische Arten ersetzt. Weitaus stärkeren Wandlungen unterlagen die Vertreter der Ordnung Carnivora (Raubtiere). So traten mit Eusmilus die ersten Nimraviden auf, katzenähnliche Räuber, die gewaltige Säbelzähne ausbildeten. Eine weitere Gattung der Familie, Nimravus, besaß kleinere Zähne. Sie erschien geringfügig später, ebenfalls im frühen Oligozän. Ein weiterer Angehöriger der Nimraviden war Quercylurus, das größte Raubtier seiner Epoche. Er erreichte die Ausmaße eines Bären und scheint ein Sohlengänger gewesen zu sein. Unter den Arctoiden verschwand Cynodictis am Übergang zum Oligozän, und wurde von Aphicyonodon ersetzt. Unter den kleineren Raubtieren des Eozäns waren Tiere, die an heutige Zibetkatzen erinnerten, wie Stenoplescitis und die nah verwandte Gattung Palaeoprinodon.

 

Unter den Kleinsäugern fällt im frühen Oligozän das erstmalige Erscheinen der Lagomorpha (Hasenartige) in Europa auf. Unter den Insektenfressern wurden die Maulwürfe (Eotalpa) und Spitzmäuse dominant. Die Nager waren wie bereits im Eozän vor allem durch Theridomyiden und Bilche (Gliridae) vertreten. Als Neuerscheinungen traten erstmals moderne Familien wie Wühler, Hörnchen, Biber und die heute auf Nordamerika beschränkten Aplodontia auf. Die Hörnchen waren etwa durch Palaeosciurus vertreten, die Biber durch Stenofiber. Daneben traten erstmals die Eomyiden auf, die im Oligozän und Miozän typisch waren, aber schließlich ausstarben. Der kennzeichnendste Neuankömmling unter den Kleinsäugern war allerdings Atavocricetodon, der erste Vertreter der Wühler (Cricetidae).

 

Ein oligozänes Krokodil Europas war Hispanochampsa auch bekannt als Diplocynodon muelleri.