Quartär (2,588 mya - heute)

Tabelle Quartär (C) Ralf Krüger 2019
Tabelle Quartär (C) Ralf Krüger 2019

Das System Quartär (2,588 mya - heute) ist die erste Untergliederung des Ärathems Känozoikum (65 mya - heute) und umfasst die Epochen (Serien):

  • Pleistozän (2,588 - 0,0117 mya) mit den Stufen:
                         - Gelasium (2,588 - 1,806 mya)
                         - Altpleistozän (1,806 - 0,781 mya)
                         - Mittelpleistozän (0,781 - 0,126 mya) und
                         - Jungpleistozän (0,126 - 0,0117 mya)
  • Holozän (0,0117 mya - heute); gleichzeitig Stufe.

Klima

Vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann das Eiszeitalter (Pleistozän). Es war von einem Wechsel zwischen

Kalt- und Warmzeiten geprägt, in dem die durchschnittlichen Temperaturen in einem Rhythmus

von etwa 50.000 bis 100.000 Jahren um circa elf Grad schwankten. (Obwohl wir heute in einer Zwischeneiszeit leben, dauert die Pleistozän-Eiszeit noch an.)

In dieser Periode gab es mehrfache Vereisungen (Inlandeis und Gletscher) und dadurch resultierend Meeresspiegelschwankungen von über hundert Metern. Die heutigen Landschaftsformen wurden ausgeprägt und am Ende der letzten Eiszeit starben markante Großsäugetiere wie Mammut und Wollnashorn aus.

Temperaturschwankungen verursachten weltweit Kalt- und Warmzeiten in den gemäßigten und Regen- und Trockenzeiten in den warmen Zonen. In den Kaltzeiten kam es zu den bedeutendsten Vereisungen der Erdgeschichte (über 30% der Festlandoberfläche war vergletschert). Durch die Bindung von Wasser zu Eis sank der Meeresspiegel, und es bildeten sich Landbrücken wie die Bering-Straße. In der Nacheiszeit (Beginn vor ca. 10.000 Jahren) drangt das Meer zu den heutigen Küstenlinien vor.

In Zwischeneiszeiten war das Klima oft wärmer als heute. In den Kaltzeiten erstreckte sich ein kalter Korridor zwischen dem skandinavischen Inlandeis im Norden und den alpinen Gletschern im Süden. Typische Ablagerungen der Kaltzeiten sind Moränen; im Vorland der Gletscher sind es Terrassenschotter und Löß. Als Relikte der Eiszeit verblieben die Seenplatten Norddeutschlands und die großen Alpenseen. Gegen Ende der Eiszeit machte sich wieder Vulkanismus bemerkbar (Eifel).

 

Fauna

Die Klimaschwankungen wirkten sich besonders auf die Säugetiere aus. Tiere der Warmzeiten waren in Mitteleuropa Waldelefanten, Waldnashörner, Flusspferde, Wasserbüffel und Makaken; in den Kaltzeiten herrschten Steppenelefanten, Wollhaarnashörner, Saiga-Antilopen, Rentiere und Moschusochsen vor. Die Trennung in kalt- und warmzeitliche Faunen verschärfte sich mit dem Fortschreiten des Quartärs.

Der Mensch besiedelte Mitteleuropa erstmals vor etwa 1 Million Jahren. Der Neandertaler wurde vor 30.000 - 35.000 Jahren in der letzten Kaltzeit vom heutigen Menschen verdrängt.

 

Flora

Die Pflanzengesellschaften konnten sich, anders als in Nordamerika, nicht nach Süden (Alpen, Mittelmeer) ausbreiten und wurden in den Eiszeiten ausgerottet. Die heutige Flora von Europa ist daher sehr verarmt. Gegen Ende der letzten Eiszeit zog sich auf der Nordhalbkugel die "Kaltsteppe" zurück, und so starben eindrucksvolle Säugetiere wie Mammut Wollhaarnashorn, Riesenhirsch und Steppenwisent aus, wobei jedoch der Mensch mitgeholfen hat.

 

Berühmte Fundstätten:

Mosbach, Neanderthal, Lascaux, Rancho La Brea in Kalifornien. 

 

Massenaussterben

Die gegenwärtige Aussterbewelle wird durch den Menschen verursacht und begann vor ca. 8.000 Jahren im Holozän. Sie hält bis zum heutigen Tag an und beschleunigt sich dabei. Allerdings sind die Übergänge zu der Aussterbewelle des Pleistozäns fließend, weshalb von einer Quartären Aussterbewelle gesprochen werden muss. Beispielsweise verschwand das Wollhaarmammut erst im Holozän aus Sibirien. Auf der Wrangel-Insel überlebte es gar bis in die Zeit der ägyptischen Pharaonen.

Seit der Sesshaftwerdung des Menschen in der Jungsteinzeit wurde die Tierwelt, insbesondere die Megafauna, stark zurückgedrängt, allerdings verschwanden damals deutlich weniger Arten als am Ende des Pleistozäns. Als Menschen ab ca. 800 n. Chr. erstmals Inseln besiedelten, rotteten sie die dortige Megafauna, die eine niedrige Reproduktionsrate und fehlende Fluchtreflexe hatte, durch übermäßige Jagd aus (etwa Neuseeland oder Madagaskar) oder brachten die ansässige Vogelwelt zum Verschwinden (Hawaii, Polynesien).

Eine richtige Aussterbeflut brachte jedoch das Zeitalter der Entdeckungen ab ca. 1500, als Europäer andere Kontinente besiedelten, vermeintliche Schädlinge ausrotteten und Neozoen  (Ratten, Füchse,

Schweine) einschleppten, denen die einheimische Fauna nur schwer gewachsen war.

Der Vergleich des heutigen Massenaussterbens mit den oben genannten Ereignissen der Erdgeschichte ist allerdings schwierig und auch problematisch, weil heute überwiegend deutlich andere Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich sind als in der geologischen Vergangenheit.

Das prähistorische Quartär
Das prähistorische Quartär