Evolution Mensch

 

Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum Jetzt-Menschen beschäftigen sich insbesondere die Paläoanthropologie, die Archäologie und die Genetik.

Neben der biologischen Evolution war für den Menschen auch seine kulturelle Entwicklung maßgebend, die sich unter anderem im Gebrauch von Werkzeugen und der gesprochenen Sprache manifestiert. Der kulturelle Entwicklungsstand der frühen Vorfahren des modernen Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Erst vor rund 40.000 Jahren beschleunigten sich – nach heutigem Kenntnisstand – die kulturellen Innovationen, und seit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehhaltung greift der Mensch großräumig gestaltend in seine Umgebung ein.

 

Quelle: Infografik WELT ONLINE / Museum für Naturkunde Berlin
Quelle: Infografik WELT ONLINE / Museum für Naturkunde Berlin

Gestatten, Ihre entfernten Verwandten

1   Kenyanthropus platyops, lebte vor 3,5 mya;

2   Neandertaler, 200.000 bis 30.000;

3   Australopithecus afarensis, 3,9 bis 3 mya;

4   Paranthropus boisei, 2,1 bis 1,1 mya;

5   Homo habilis, vor 2,1 bis 1,6 mya;

6   Australopithecus africanus, 3 bis 2,3 mya;

7   Homo erectus, 1,8 mya bis 40.000;

8   Australopithecus anamensis, 4,2 bis 3,9 mya;

9   Homo rudolfensis, 2,5 bis 1,8 mya  ... und ... 

10 der neue Mensch als Silhouette

 

Die Evolution zum heutigen Homo sapiens

  • Vor 7 mya (sieben Millionen Jahren)  entstanden in Afrika erstmals aufrecht gehende Vormenschen, die Homoninen.
  • Im Osten Afrikas entwickelte sich vor 2,4 mya die Gattung Mensch (Homo).
  • Dank eiweißreicher Nahrung wuchsen deren Gehirne dieser Menschen immer weiter heran.
  • Vor ca. 1,8 mya verließen die ersten Menschen Afrika.
  • Aus den Nachfahren dieser Auswanderer (Homo heidelbergensis) ging vor 200.000 Jahren in Europa der Neandertaler hervor.
  • Zur gleichen Zeit entstand in Afrika der heutige Homo sapiens, der moderne Mensch. 

 

Sahelanthropus tschadensis (vor 7 mya)

Sahelanthropus tschadensis
Sahelanthropus tschadensis (7 mya)

Ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad entdeckte im Juli 2001 in der Sahel- Zone (Zentralafrika) dieses bislang älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen- und Menschenartigen (Hominiden) stammen. Nach späteren Untersuchungen ähnelte er frühen Menschen mehr als den Menschenaffen.  Es ist der erste bekannte Primat, der sich aufrecht auf zwei Beinen (biped) fortbewegte.

Forscher nehmen nun an, dass sich vor rund 7 Millionen Jahren, die DNS der beiden Gattungen Hominiden und Menschenaffen getrennt haben. Nun begannen sich aus einer Art, mehrere verschiedene Arten zu entwickeln. Die Funde des Sahelanthropus tschadensis wurde auf ein stattliches Alter von 7 Millionen Jahre datiert.

Sahelanthropus (Quelle: Tim Evanson, CC BY-SA 2.0)
Sahelanthropus (Quelle: Tim Evanson, CC BY-SA 2.0)

In der direkten Nachbarschaft zu seinen Knochen wurden unter anderem die Überreste von mehr als zehn Arten von Süßwasserfischen, von Amphibien, Krokodilen und Wasserschildkröten geborgen, aber auch einige Knochen von anderen Primaten sowie zahlreiche Knochen von Nagetieren, Elefanten, Giraffen, Pferden, Schweinen und Hornträgern. Als häufigste Raubtiere (sowohl hinsichtlich der Anzahl aufgefundener Individuen als auch der Artenzahl) wurden fossile Hyänen ausgegraben.

Sahelanthropus lebte also in einer dünn bewaldeten Landschaft, in der unmittelbaren Umgebung des heutigen Tschadsees, dessen Wasserflächen von Galeriewäldern und daran anschließenden Savannen umgeben waren, ähnlich gewesen sein dürfte.

 

Orrorin tugenensis (vor 6 mya)

 Orrorin tugenensis
Orrorin tugenensis

Im Oktober 2000 fanden französische und kenianische Wissenschaftler in der Boringo- Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Eine verwandschaftliche Beziehung zum Sahelanthropus ist unbekannt und eine direkte Abstammung eher unwahrscheinlich.

Fossilienfunde in Kenia
Fossilienfunde in Kenia

Begleitfunde von diversen Tier- und Pflanzenarten lassen den Schluss zu, dass die Fundschichten einem Lebensraum entstammen, in dem sich Waldstücke, feuchte Graslandschaften und Seeufer abwechselten (Galeriewälder). Orronrin tugenensis könnte – ausweislich der Beschaffenheit seiner Oberschenkelknochen – sowohl am Boden als auch auf den Bäumen gelebt haben.

 

 

 

 

 

Ardipithecus kadabba (vor 5,5 mya)

Ardipithecus kadabba
Fossilienfunde aus der Afar-Senke, Äthiopien

Der Erstbeschreibung zufolge stehen die Fossilien den gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Menschen nahe, deren Entwicklungslinien sich molekularbiologischen Schätzungen zufolge vor 6,5 bis 5,5 Millionen Jahren trennten.

 

Ardipithecus kadabba war wahrscheinlich in Bezug auf Körperdetails und Hirngröße einem modernen Schimpansen ähnlich. Aber er konnte aufrecht gehen, und hatte Eckzähne, die denen in späteren Homininen ähnelten. Von dieser frühen Spezies sind nur wenige fossilen Knochen und Zähnen bekannt. Ein großer Knochen des großen Zehs hat ein breites, robustes Aussehen, was auf die Möglichkeit des Aufrechtgehens schließen lässt.

Die paläontologische Begleitfunde legen nahe, dass Ardipithecus kadabba in einem Habitat lebte, das aus Wäldern, baumbestandenen Savannen und offenen Wasserflächen bestand, wie es auch für Sahelanthropus tchadensis beschrieben wurde.
Zwar ist auch hier eine Abstammung vom Orrorin tugensis unwahrscheinlich, wohl aber eine Verwandschaft zum Ardipithecus ramidus relativ gut gesichert.

 

 

Ardipithecus ramidus (vor 4,4 mya)

Die Untersuchung der zahlreichen fossilen Zähne zeigte, dass die Eckzähne des Oberkiefers bei Ardipithecus ramidus annähernd gleich groß waren, wie die Eckzähne von weiblichen Schimpansen (Pan troglodytes) oder männlichen Bonobos (Pan paniscus). Allerdings fehle allen fossilen Eckzähnen die lange, dolchartige Krone der Schimpansen, so die Autoren der Studie aus dem Jahr 2009.

 

Diese auffällige, längliche Krone der oberen Eckzähne kennt man bei fast allen heutigen männlichen Primaten. Sie ist auch bei vielen fossilen Primaten nachweisbar und gilt als ein Merkmal, das die gemeinsamen Vorfahren aller heute lebenden Affen besaßen. Dieses Merkmal ist demnach bei Ardipithecus ramidus verloren gegangen und später bei den Vertretern der Gattung Australopithecus und Homo weiter reduziert worden.

Schädel Ardipithecus ramidus
Schädel Ardipithecus ramidus

Die Forscher schließen aus dieser anatomischen Besonderheit auf ein verändertes Sozialverhalten innerhalb der Gruppen der Vor- und Frühmenschen. Die dolchartigen Eckzähne werden von heutigen Primatenmännchen unter anderem als Waffe zur Klärung von Rangordnungen innerhalb der eigenen Gruppe und bei Kämpfen mit Individuen anderer Gruppen eingesetzt.

 

Die dramatische Reduzierung der männlichen Eckzähne legt nahe, dass sich das Sozialverhalten, insbesondere das Imponiergehabe der Männchen verändert hat, schon lange bevor die Homininen ein vergrößertes Gehirn entwickelten und Steinwerkzeuge benutzten.

 

Australopithecus anamensis (4,2-3,9 mya)

Australopithecus anamensis
Fragmente Australopithecus anamensis (Quelle: Nachosan CC BY-SA 4.0)

Australopithecus anamensis gilt als die älteste Art der Australopithecinen und zugleich als die älteste unumstrittene Art der Hominini. Als sehr wahrscheinlich gilt ferner, dass Australopithecus anamensis und der jüngere Australopithecus afarensis zeitlich aufeinander folgende Schwester-Arten infolge Anagenese sind.

Ähnlich wie beim sehr viel älteren Sahelanthropus tchadensis ließen Begleitfunde der zunächst entdeckten Individuen am Turkanasee (unter anderem von fossilen Antilopen, speziell von Kudus) darauf schließen, dass Australopithecus anamensis in einem Habitat lebte, das teils aus Buschland, teils aus Savanne bestand, typisch für so genannte Galeriewälder; es wurden keine Fossilien gefunden, die auf offene Wasserflächen schließen lassen. 

Die Fundstücke aus der Afar-Region wurden von den Forschern um Tim White dahingehend gedeutet, dass Australopithecus anamensis in Bezug auf viele anatomische Merkmale zwischen Ardipithecus ramidus und Australopithecus afarensis stehe. Die relativ großen Zähne wurden auch bei diesen Funden als eine Anpassung an relativ harte Pflanzennahrung gedeutet, wie dies von einer zwar primär waldbewohnenden, zumindest aber am Rande einer Steppenlandschaft heimischen Art zu erwarten sei.

 

Australopithecus afarensis (3,7-3,0 mya)

Australopithecus afarensis
Australopithecus afarensis (Lucy)

Einer 2005 veröffentlichten Studie zufolge belegen die Fußspuren von Laetoli, dass sich Australopithecus afarensis mit einer Geschwindigkeit von 0,6 bis 1,3 m/s vollständig aufrecht fortbewegte. Die Berechnung wurde anhand der Abmessungen von Lucy und der Spuren mittels Modellsimulation durchgeführt. 2010 erbrachte ein biomechanisches Experiment zudem den Nachweis, dass die versteinerten Fußspuren ein Abdruckprofil konserviert haben, das weitgehend dem der modernen Menschen gleicht: Beim aufrechten Gehen ist die Abdrucktiefe von Zehen und Ferse annähernd gleich; beim Schimpansen-artigen Gehen drücken sich die Zehen tiefer in den Boden als die Ferse. Demnach hatte sich ein – hinsichtlich der Bewegungsabläufe und der Energieeffizienz – menschenähnlicher aufrechter Gang bereits lange vor dem Entstehen der Gattung Homo entwickelt.

Einen ungewöhnlich umfangreichen Fund von Fossilien, der im November 1975 in Hadar entdeckt wurde,  waren die Überreste von neun Erwachsenen, drei Heranwachsenden und fünf Kindern. Ihr Alter wurde – wie das von Lucy – auf 3,2 Millionen Jahre datiert.

 

In Hadar wurden im Zusammenhang mit Australopithecus afarensis die Überreste von zahlreichen fossilen Tierarten geborgen, darunter urtümliche Paviane (Parapaio), Fleckenhyänen (Percrocuta), Hyänen (Chasmoporthetes), Säbelzahnkatzen (Megantereon und Homotherium), Mäuse (Saidomys), Kurzhalsgiraffen (Sivatherium) sowie Verwandte der heutigen Gnus (Damalops) und der Antilopen (Praedamalis); es wurden nur wenige reine Waldbewohner entdeckt. Die Artenzusammensetzung ist demnach „typisch für Mosaiklandschaften mit Grasflächen, Gehölzen sowie geschlossenen Busch- und Baumbeständen an Wasserläufen und in Gebirgstälern.“ Die Region von Hadar war zur Zeit des Australopithecus afarensis – in einer Höhe von 2400 Metern – deutlich kühler als in Laetoli und wies vermutlich auch Wälder auf.

 

Australopithecus bahrelghazali (vor 3,6 mya)

Australopithecus bahrelghazali

Das erste Fundstück – ein teilweise erhaltener Unterkiefer – wurde 1995 bei Koro Toro , im heutigen Tschad (Zentralafrika), entdeckt und 1996 als Holotypus von Australopithecus bahrelghazali ausgewiesen.

Die Entdecker der beiden Fossilien argumentierten, dass die Zähne von Australopithecus bahrelghazali eine dickere Zahnschmelz-Schicht aufweisen als Ardipithecus ramidus, was ihn von diesem unterscheide, während der Knochenbau des Unterkiefers und die Zahnwurzeln der erhaltenen Prämolaren von den Verhältnissen bei Australopithecus afarensis abweichen. Hinweise auf Körpergröße, Gehirnvolumen oder auf bestimmte Verhaltensweisen existieren aufgrund der sehr bescheidenen Fundlage jedoch nicht; zahlreiche Forscher interpretieren die Funde aus dem Tschad daher als lokale Variante von Australopithecus afarensis.

 

 

Kenyanthropus playtops (3,5-3,3 mya)

Kenyanthropus platyops
Fund KTNMWT 4000

Der Kenyanthropus platyops weist verschiedene Charakteristika auf, die alle einzeln bekannt sind, aber verschiedenen Spezies zugeordnet wurden. Die kleine Ohröffnung ist dem Australopithecus anamensis ähnlich, ebenfalls die Backenzähne mit starkem Zahnschmelz und das kleine Hirn (Australopithecus hatte ein Gehirnvolumen von etwa ein Drittel des heutigen Menschen) sowie die Nasenform, die derartig auch der Australopithecus afarensis aufweisen.

KTNMWT 40000 nach Restaurierung
KTNMWT 40000 nach Restaurierung

Aber der Schädel weist auch klare Merkmale wie z.B. die Wurzel des Wangenbeins auf, die ihn vom Australopithecus anamensis, afarensis und africanus unterscheiden. Ebenso gibt es entscheidende Merkmale, die eine klare Zugehörigkeit zum Australopithecus garhi oder Paranthropus ausschließen. Einige Ähnlichkeiten weist er dagegen mit dem Homo rudolfensis auf, der seinerseits einiges mit dem Paranthropus teilt.

(Aus „Das Flachgesicht aus Kenia“, 22. März 2001 Andrea Naica-Loebell)

 

 

Australopithecus africanus (3,3-1,7 mya)

Australopithecus africanus
Original des Schädels eines A. africanus (Quelle: José Braga; Didier Descouens CC BY-SA 4.0)

Im Verhalten waren sich Australopithecus africanus und A. afarensis wahrscheinlich sehr ähnlich. Die Bedeutung der Eckzähne als Waffen, wie bei den Menschenaffen üblich, nimmt also immer mehr ab. Die größer werdenden Mahlzähne deuten darauf hin, dass A. africanus seine Nahrung stärker kauen musste als A. afarensis. Allgemein ernährten sich beide von weicherer, weniger grober Kost als der spätere Australopithecus robustus. Es scheint so, als ob die Nahrungsmittel der südafrikanischen Homininen saisonal unterschiedlich war, wobei der Schwerpunkt auf einer aus Früchten bestehenden Nahrung liegt, die mit Samen und anderen harten         

                                                         Pflanzenteilen zerkaut wurde.

Original des Schädels eines A. africanus (Quelle: José Braga; Didier Descouens CC BY-SA 4.0)
Original des Schädels eines A. africanus (Quelle: José Braga; Didier Descouens CC BY-SA 4.0)

Anthropologen der University of Kent und des University College London, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Technischen Universität Wien konnten bestätigen, dass Australopithecus africanus vor drei bis zwei Millionen Jahren bereits Steinwerkzeuge nutzte. Er setzte dazu seine Hände auf dieselbe Art und Weise ein wie moderne Menschen heute.

 

 

 

 

 

 

Paranthropus aethopicus (2,7-2,3 mya)

Dieser Homonine besaß ein Riesengebiss, deren gewaltigen Kaumuskeln an einem Knochenkamm auf ihrem Schädel befestigt war. Das Gehirn allerdings war mit ca. 410 nur wenig größer als das eines Schimpansen.

 

 

In den gleichen Fundschichten wurden zahlreiche Begleitfunde geborgen, so unter anderem Knochen von Löwe, Streifenhyäne und Wüstenluchs, von Elefant, Giraffe und Nashorn, von Moorantilope (Menelikia), Gnu und Ziege, von Pavian (Parapapio) und Schlankaffe (Paracolobus). Ferner entdeckte man in diesen Schichten Fossilien, die zu einer anderen –allerdings nicht eindeutig bestimmten – Homininen-Art gehörten. Gleich alte Arten sind Australopithecus garhi und Homo rudolfensis. Besonders häufig vertreten sind Riedbock und Wasserbock, weswegen vermutet wird, dass Paranthropus aethiopicus in Graslandschaften lebte, die zumindest zeitweise überschwemmt waren und in einer Klimazone, die der heutigen in Ostafrika ähnlich war.